Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Seit Dominic Buchli im Juni 2018 das Sportgymnasium in Davos mit der besten Matura abgeschlossen hat, setzt er auf die Karte Eishockey. Der 20-jährige Verteidiger weiss, dass allein der Weg zu einem Stammplatz beim HCD noch lang ist. Als Neo-Profi hat er interessante Erfahrungen gesammelt.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg; dieses Motto trifft auf den Neo-Eishockeyprofi Dominic Buchli zu. In Safien Platz aufgewachsen, hatte es im Winter beim Schulhaus zwar Eis, um mit Vater und Bruder ein bisschen zu „knebeln“, aber weit herum keine Kunsteisbahn. Ab der vierten Primarklasse chauffierte die Mutter ihren jüngeren Sohn Dominic für drei Jahre jeweils aus dem Safiental nach Grüsch zu den Trainings und Spielen des HC Prättigau-Herrschaft. „Dafür bin ich meinen Eltern heute noch dankbar“, sagt Dominic Buchli. Im Prättigauer Nachwuchs spielte auch sein älterer Bruder Paul, der wie die Schwester die Mittelschule in Schiers besuchte.

Mit minimalem Aufwand zu guten Noten

Nach der Primarschule wechselte auch der Jüngste der Buchlis ins Untergymnasium und ins Internat nach Schiers sowie zum Hockeyclub im Prättigau. Parallel half Dominic Buchli aufgrund seines Talents mit einer B-Lizenz bei den Mini Top des HCD aus. Der nächste logische Schritt war der Wechsel in die Nachwuchsabteilung des HCD und ans Davoser Sportgymnasium. Die schulische Ausbildung schloss Buchli im Juni 2018 mit der Matura ab – mit der besten Note übrigens, „gemeinsam mit dem Skirennfahrer Silvano Rogentin“, präzisiert Buchli. „Ich lerne zum Glück leicht. Viele Schulfächer interessierten mich auch. So kam ich mit minimalem Aufwand zu guten Noten“, sagt der Safier. Für ihn sei aber immer klar gewesen: „Lieber schlechtere Schulnoten als im Eishockey nicht gut.“

Im letzten Sommer erhielt Buchli beim HCD seinen ersten Profivertrag. Sein Hobby wurde zum Beruf, oder wie es der 20-Jährige formuliert: „Jetzt ist Eishockey mein Lebensinhalt.“ Mit allen Vor- aber auch Nachteilen: „Wenn ein Training nicht gut ist, ist für mich meistens der ganze Tag nicht gut. Jetzt drehen sich bei mir viel mehr Gedanken ums Eishockey, und meine Freizeit musste ich neu definieren.“ Für Buchli ist klar: „Ich bereue nichts. Ich will meine Energie ins Einhockey investieren und haue alles dafür rein.“ Sein erstes Ziel ist es, „solid zu spielen und dem Team zu helfen.“ Mittelfristig peilt der Verteidiger einen Stammplatz beim HCD an. Dabei macht er sich keine Illusionen: „Das ist noch ein weiter Weg. Ich werde hart dafür schaffen. Ich will das beste Eishockey aus mir herausholen und meinem Klub das Beste bieten, was in mir steckt.“

NL-Debüt im Playoff

Letzte Saison gab Buchli sein Meisterschaftsdebüt im Fanionteam des HCD – nicht in einem belanglosen Qualifikationsspiel, sondern in den drei letzten Playoff-Viertelfinalspielen gegen Biel. Er erinnert sich an seinen ersten Match bei den Grossen des HCD. „Am Tag vor dem Debüt fragte mich Trainer Arno Del Curto ob ich ‚ready‘ sei. Wir siegten dann in jenem Heimspiel mit 4:2. Das war ein schöner Einstand für mich. Aber viel lieber hätte ich mit dem HCD natürlich die Playoff-Serie gewonnen.“

In der laufenden Meisterschaft pendelte Buchli. 20 Partien bestritt er bisher mit dem HCD in der National League, 14 weitere fürs Partnerteam, die Ticino Rockets mit Sitz in Biasca in der Swiss League, der früheren Nationalliga B. Dank dieser Situation kam Buchli regelmässig zu Einsätzen. „Es ist wichtig, richtig und gut zu spielen“, bemerkt der Verteidiger. „Denn mit Training allein ist es nicht gemacht; allein dadurch kannst du dich nicht entwickeln. Kein Training ersetzt die Spielpraxis.“

Erster Treffer gegen die SCL Tigers

Am letzten Samstag gelang Buchli bei der 4:5-Auswärtsniederlage in Langnau gegen die SCL Tigers sein erster Treffer in der National League. Er traf in der elften Minute mit einem Weitschuss zur 2:1-Führung. „Es war ein super Gefühl“, bemerkt Buchli. „Es ist schön, wenn ich dem Team etwas zurückgeben kann. Beim HCD investieren sie viel in die Jungen.“ Der 20-Jährige spielt in der Davoser Abwehr in der Regel an der Seite eines Routiniers, neben Félicien Du Bois, Magnus Nygren oder Tomas Kundratek. „Ein sicherer Verteidigerpartner hilft enorm; das bringt mir Ruhe“, erklärt Buchli. „Ich weiss, dass ich ihm den Puck passen kann, und er macht etwas Gescheiter. Und er hilft mir auch aus dem Dreck, wenn ich einen Fehler mache; das vermittelt ein gutes Gefühl.“

Seine 20 NLA-Partien in dieser Saison bilanziert Buchli kritisch. „Der Januar war richtig schlecht. Mit meinen Leistungen im Dezember sowie am Spengler Cup war ich zufrieden. Und in den drei letzten Spielen ging es wieder besser.“ Der 20-Jährige ist sich im klaren, dass er noch viel Luft nach oben hat und noch lange nicht am Ziel angelangt ist. Steigerungspotenzial ortet er in allen Belangen, ganz besonders „im Spiel mit dem Puck. Ich muss bessere Pässe spielen, den Puck besser verteilen und bessere Entscheidungen auf dem Eis treffen.“ Am Willen fehlt es dem jungen Verteidiger aus Safien Platz nicht. Und mit dieser Einstellung wird er seinen Weg auch finden.

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