Zwei Drittel lang reichten die Kräfte noch

Die Schweizer Nationalmannschaft hat am Spengler Cup den Finaleinzug mit einem 8:3 gegen Davos geschafft. Der Kantersieg kam allerdings erst zustande, als die Kräfte der Bündner schwanden; bis zur 37. Minuten führte der HCD mit 3:2.

Aufmerksam beobachtete Félicien Du Bois am Samstagmittag das Warm-up des Schweizer Teams – mit einer genähten Risswunde und einer dick geschwollenen Oberlippe. Am Abend zuvor war der HCD-Verteidiger vom Puck nach einem harten Schuss eines Hämeenliina-Spielers im Gesicht getroffen worden. Die angerissenen Zähne muss Du Bois im neuen Jahr ersetzen lassen. Trotz der schmerzhaften Verletzungen spielte Du Bois am Abend mit Davos gegen die Schweiz, gegen seine Teamgefährten im Nationalteam. „Natürlich ist diese Ausgangslage speziell“, meinte der 34-Jährige schon am Mittag. „Aber letztendlich ist es ein Spiel wie jedes andere. Ich gehe mit dem HCD aufs Eis, und wir wollen wie immer gewinnen.“ Es werde allerdings sehr schwer, fügte Du Bois noch hinzu. Nicht von ungefähr. Die Schweizer spielten sich mit zwei sicheren Siegen direkt in den Halbfinal. Sie hatten am Freitag spielfrei. Die Davoser hingegen mussten an jenem Abend hart für den 4:2-Sieg gegen Hämeenliina kämpfen. Und sie bestritten gegen die Schweiz ihren vierten Match innert 72 Stunden, der Gegner hingegen den dritten in fünf Tagen.

Die bis in die Fingerspitzen motivierten Davoser setzten aber zwei Drittel lang ungeahnte Kräfte frei. Sie beschränkten sich überhaupt nicht auf eine Abwehrschlacht, sondern spielten mit ihrem gewohnten erfrischenden Angriffs-Hockey zur Begeisterung der 6300 Zuschauer in der ausverkauften Vaillant Arena munter mit. Selbst auf Rückschläge reagierten die Davoser im Startdrittel postwendend. Nur 35 Sekunden nach Denis Hollensteins Führungstreffer traf Robert Kousal zum 1:2. Und nach Vincent Praplans zweitem Schweizer Tor dauerte es 55 Sekunden, ehe Brandon Buck erneut ausglich.

Der offene Schlagabtausch hielt auch im zweiten Drittel an. Als Magnus Nygren den Puck im zweiten Davoser Powerplay zum 3:2 ins Tor von Leonardo Genoni hämmerte, witterten einige bereits eine HCD-Sensation und eine Blamage für die Nationalmannschaft. Aber nicht für lange. Denn jetzt reagierte die Schweiz vehement. Ambris grosses Verteidiger-Talent Michael Fora sorgte 48 Sekunden danach für das 3:3. Und nur 32 Sekunden später bezwang der freistehende Dominik Schlumpf HCD-Goalie Gilles Senn zur erneuten Schweizer Führung.

Im Schlussdrittel brachte das Nationalteam seine grössere Frische mit viel Tempo zur Geltung. Die Davoser kamen nun oft den bekannten Schritt zu spät. Innert drei Minuten erhöhten Eric Blum, Reto Schäppi und Tanner Richard den Vorsprung bis zur 45. Minute auf ein brutales 7:3.

Im Final trifft die Schweiz bereits am Sonntagmittag um 12 Uhr auf den Titelverteidiger, das Team Canada. Während die Kanadier ihren 15. Spengler-Cup-Sieg anstreben und so mit dem HC Davos gleichziehen wollen, ist die Schweiz am Davoser Traditionsturnier bisher noch nie über den 15. Platz hinausgekommen.

Schweiz – Davos 8:3 (2:2, 2:1, 4:0)

Vaillant Arena, Davos. – 6300 Zuschauer (ausverkauft). - SR Salonen/Stricker (Fi/Sz), Borga/Kaderli (Sz).

Tore: 9. (8:05) Hollenstein (Cunti) 1:0. 9. (8:40) Kousal (Sallinen) 1:1. 12. (11:08) Praplan 2:1. 13. (12:03) Buck (Dino Wieser, Kessler) 2:2. 36. (35:20) Nygren (Kousal, Sallinen/Ausschluss Richard) 2:3. 37. (36:08) Fora (Herzog, Vermin) 3:3. 37. (36:37) Schlumpf (Cunti, Hollenstein) 4:3. 41. (40:48) Blum (Praplan, Hollenstein/Ausschluss Kousal) 5:3. 44. (43:27) Schäppi (Scherwey, Fora) 6:3. 44. (43:46) Richard (Martschini, Hofmann) 7:3. 49. Hofmann (Martschini, Richard) 8:3.

Strafen: 2mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 3mal 2 Minuten gegen Davos.

Schweiz: Genoni; Geering, Diaz; Schlumpf, Blum; Fora, Genazzi; Sutter, Kreis; Praplan, Cunti, Hollenstein; Hofmann, Richard, Martschini; Suter, Herzog, Vermin; Schäppi, Bodenmann, Scherwey.

Davos: Senn; Lofquist, Nygren; Schneeberger, Paschoud; Heldner, Jung; Aeschlimann, Du Bois; Kousal, Morin, Sallinen; Kessler, Dino Wieser, Buck; Little, Marc Wieser, Johansson; Ambühl, Simion, Corvi.

Bemerkungen: Schweiz ohne Boltshauser (Ersatztorhüter), Fazzini, Rathgeb, Rod, Brunner. Davos ohne van Pottelberghe (Ersatztorhüter), Lindgren, Rödin, Jörg, Walser (alle verletzt), Sciaroni, Walser, Grossniklaus, Kindschi und Egli (alle überzählig). – 21. Pfostenschuss Diaz. 49. Timeout Davos.

 

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