Zwei Shorthander für ein Halleluja

4405 Zuschauer sahen am Sonntagnachmittag in Davos ein verrücktes Spiel. Nach früher Führung passte beim HCD gegen Ambri zwei Drittel lang kaum etwas zusammen, was zum zwischenzeitlichen 1:2 führte. Dank einer Leistungssteigerung, einem Powerplay-Treffer von Magnus Nygren und zwei Shorthandern von Gregory Sciaroni und Samuel Walser drehten die Davoser die Partie aber noch.

Der HC Davos hat am Samstagabend in Zug nicht nur die Partie gegen den EVZ mit 1:5 verloren, sondern mit Enzo Corvi und Dino Wieser auch zwei Schlüsselspieler. Dino Wieser fällt mit einer Halswirbelstauchung für mindestens zwei Wochen aus, Corvis Rekonvaleszenzzeit ist nach seiner Hirnerschütterung offen. Da gegen Ambri nicht weniger als sechs Stammspieler fehlten, sah sich HCD-Coach Arno Del Curto zu Umstellungen genötigt. Im Sturm gab der 19-jährige Yannick Frehner sein NLA-Debüt. Bereits am Abend zuvor hatte der erst 17-jährige Verteidiger Davyd Barandun seinen Meisterschafts-Einstand beim HCD gegeben.

Eine erfreuliche Nachricht gab es vor dem Anpfiff gleichwohl: Die Davoser stimmten dem Verpflichtungskredit in der Höhe von 3,4 Millionen Franken zur Sanierung der Eishalle mit einem überwältigenden Ja-Anteil von über 84 Prozent zu. Und erfreulich begann auch die Partie. Marc Wieser tankte sich auf der rechten Seite energisch durch, passte zu Andres Ambühl, und dessen Zuspiel verwertete Broc Little. Gespielt waren gerade mal neun Sekunden!

Es sollte allerdings für mehr als 40 Minuten der schönste und zwingendste Davoser Angriff bleiben. Die Bündner fanden danach zwei Drittel lang nicht zu einem Spielfluss. Mit leichten Fehlpässen und unnötigen Strafen brachten sie sich selber immer wieder in Schwierigkeiten, und gleichzeitig bauten sie den keineswegs übermächtigen Gegner auf, der mit zunehmender Spieldauer mehr seine Chance witterte. Das 1:1 leitete Gregory Sciaroni mit einem Fehlpass in der Mittelzone ein. Ambri reagierte blitzschnell. Und der ehemalige HCD-Junior Dominic Zwerger vollendete nach Vorarbeit von Jeff Taffe und Cory Emmerton. Beim Führungstreffer der Gäste kurz vor der zweiten Pause offenbarte sich die (verständliche) Unerfahrenheit von Barandun. Der 17-jährige schaffte es nicht, den Torschützen Marco Müller effizient zu stören. Ambris Überlegenheit drückte sich auch im Schussverhältnis von 15:5 allein im Mittelabschnitt aus. HCD-Goalie Gilles Senn und seinen Paraden war es zu verdanken, dass der Match nicht schon entschieden war.

Mit viel Kampf und Einsatz meldeten sich die Davoser im dritten Drittel zurück. Das beobachtete auch Ambris Coach Luca Cereda; in der 49. Minuten nahm er sein Timeout. Es fruchtete aber nichts, im Gegenteil. Eine gute Minute später hämmerte Magnus Nygren den Puck im Powerplay zum 2:2 ins Tessiner Tornetz. Danach wurde eine Strafe Ambühl zum Glücksfall für Davos. Der HCD-Captain sass erst zwölf Sekunden in der Kühlbox, da entwischte Marc Wieser den aufgerückten Gästen, und dessen Querpass verwertete Gregory Sciaroni zum 3:2. Und noch während der gleichen Strafe sorgte Samuel Walser mit dem 4:2 fürs Schlussresultat. Die Davoser Reaktion kam im Schlussdrittel übrigens auch im Schussverhältnis von 14:7 zur Geltung.

Telegramm: Davos – Ambri 4:2 (1:1, 0:1, 3:0)

Vaillant Arena. – 4409 Zuschauer. – SR Nikolic/Wehrli, Castelli/Kovacs.

Tore: 1. (0:09) Little (Ambühl, M. Wieser) 1:0, 15. Zwerger (Emmerton, Taffe, Ausschluss Barandun) 1:1, 39. Müller 1:2, 51. (50:05) Nygren (Du Bois, Ambühl, Ausschluss Jelovac) 2:2, 52. (51:43) Sciaroni (M. Wieser, Ausschluss Ambühl!) 3:2, 53. (52:30) Walser (Jörg, Ausschluss Ambühl!) 4:2.

Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Davos, 4-mal 2 Minuten gegen Ambri.

Davos: Senn; Du Bois, Forrer; Aeschlimann, Nygren; Barandun, Paschoud; Grossniklaus, Kindschi; Jung; Marc Wieser, Ambühl, Little; Egli, Walser, Sciaroni; Simion, Kousal, Jörg; Frehner, Eggenberger.

Ambri: Conz; Plastino, Zgraggen; Fora, Pinana; Jelovac, Ngoy; Collenberg; D’Agostini, Emmerton, Zwerger; Lauper, Taffe, Berthon; Lhotak, Müller, Monnet; Trisconi, Kostner, Bianchi; Incir.

Bemerkungen: Davos ohne Corvi, Heldner, Kessler, Lindgren, Schneeberger, Dino Wieser (alle verletzt), Ambri ohne Gautschi, Hrabec , Stucki (alle verletzt), Guggisberg, Moor, Trunz, Schirjajew (alle überzählig). – Timeout Ambri (49.). 1. NL-Spiel von Yannik Frehner (Jahrgang 98).

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