Von 11 auf 3 - der HCD 19/20 hat mehr als überzeugt

Vor einem Jahr beendete der HCD die Qualifikation mit 51 Punkten auf Platz 11, und er musste gar im Playout um den Ligaerhalt kämpfen. Jetzt haben die Davoser 89 Punkte auf ihrem Konto, nur zwei weniger als der Quali-Sieger. Sie sind Dritte und für den Playoff-Viertelfinal sowie die Champions League qualifiziert. Der Umbau mit der sportlichen Neustrukturierung hat schnell und erfolgreich gegriffen.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang hatte Arno Del Curto praktisch als Alleinverantwortlicher für den Sportbetrieb mit grossen Erfolgen beim HCD gewirkt. Seit letztem Sommer kümmert sich ein ganzer Trainerstaff unter Leitung von Headcoach Christian Wohlwend um die erste Mannschaft. Die neue Crew änderte das Spielsystem augenfällig. Statt des früheren Transition-Spiels, des schnellen Umschaltens von der Verteidigung in die Offensive, hat jetzt die Puckkontrolle vor der Angriffsauslösung oberste Priorität. Zupass kam dem Team, dass der HCD wegen des Eisstadionumbaus bis Mitte Oktober häufig nur ein Mal pro Woche spielte und folglich viel Zeit hatte, die neue Taktik zu trainieren.

Raffainers gute Nase

Ausgezeichnete Arbeit leistete auch der neue Sportchef Raeto Raffainer. Mit Aaron Palushai und Mattias Tedenby verpflichtete er aus Schweden zwei torgefährliche Goalgetter, die ihrem Ruf gerecht wurden. Und für Verteidiger Magnus Nygren, der am 23. August in einem Testspiel eine schwere Knieverletzung erlitt und bis Ende November ausfiel, fand er mit dem Finnen Otso Rantakari unmittelbar vor dem Meisterschaftsstart einen ausgezeichneten Ersatz. Wieder "der Alte" ist Perttu Lindgren. Der finnische Mittelstürmer führt nach der Qualifikation die teaminterne Skorerliste mit 40 Punkten (12 Tore/28 Assists) vor Tedenby (18/19), Palushaj (20/15), Andres Ambühl (11/23), Fabrice Herzog (14/17) und Enzo Corvi (5/26) an. Lindgren hatte 2014/15 seinen redlichen Teil zum Gewinn des Meistertitels beigetragen. Nach der folgenden Saison wurde der HCD-Center zum wertvollsten Spieler (MVP) im Schweizer Eishockey ausgezeichnet. Wegen akuten Hüftproblemen drohte den Finnen anschliessend ein frühes Karrieren-Ende.

Individuellere Betreuung zahlt sich aus

Der breitere Trainerstaff mit Spezialisten für die Torhüter, die Verteidiger, die Stürmer und das Konditionstraining ermöglicht in der Tagesarbeit eine gezieltere individuelle Betreuung der Spieler. So überzeugte etwa das neue Torhüterduo Sandro Aeschlimann/Joren van Pottelberghe. In der Verteidigung spielte Sven Jung stärker den je. Bis zum Ausfall wegen einer Bauchmuskelzerrung war auch Félicien Du Bois – endlich wieder verletzungsfrei – eine auffallende Teamstütze. Im Angriff bildete der erst 19-jährige Mittelstürmer Benjamin Baumgartner die grosse Entdeckung. Auch Yannick Frehner (22) machte einen grossen Leistungssprung. Marc Aeschlimann setzte seinen Aufwärtstrend auf der Centerposition fort. Und Neuzuzug Fabrice Herzog trumpfte nach einem etwas diskreten Beginn als kampfstarker Flügel und Skorer immer mehr auf. Wie gewohnt gefiel Captain Andres Ambühl als unermüdlicher Reisser und Energiespieler.

Dank gutem Saisonstart nie Unruhe

Vorteilhaft wirkte sich für den HCD der gute Saisonstart aus. Er gewann vier seiner ersten sechs Meisterschaftsspiele, die er allesamt auswärts bestritt. Mit diesen Erfolgserlebnissen fanden die Spieler rasch ein gesundes Selbstvertrauen. Bezeichnend dafür: Von den 14 (!) Partien, in denen die Davoser in die Verlängerung oder gar ins Penaltyschiessen mussten, entschieden sie neun zu ihren Gunsten. Die Mannschaft geriet nie in den nervenzehrenden Strichkampf. Sie konnte mit ihrer neuen Trainercrew stets in Ruhe arbeiten. Unter diesen Umständen verkraftete sie auch die Zeit ab Dezember besser, als die Verletztenliste immer länger wurde

Déjà-vu im Cup

Aber auch der „neue HCD“ musste erfahren, dass die Bäume nicht so rasch in den Himmel wachsen. Am Spengler Cup verlor er die vom Trainerstaff zum Schlüsselspiel erklärte Viertelfinalpartie gegen TPS Turku. Und der Final des Schweizer Cups endete für Davos mit einer 3:7-Blamage gegen den zweitklassigen HC Ajoie. Deshalb darf man nun gespannt sein, wie sich der HCD nach der souveränen Playoff-Qualifikation in der Viertelfinalserie gegen Lausanne schlagen wird. Wobei die Fortsetzung der Meisterschaft aufgrund des Corona-Virus stark gefährdet ist.

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